Hase und Igel und somatic release oder langsam ist schnell

Somatic Release

Somatic Release – Warum langsamer oft nachhaltiger ist

In der somatischen Arbeit gibt es einen Begriff, der immer wieder fällt: Release. Gemeint ist damit die Entladung von gespeicherten Spannungen, Emotionen oder Energie im Nervensystem – ein Loslassen, ein “Wieder-in-den-Fluss-Kommen”. Doch was bedeutet Release eigentlich? Und wie entsteht er wirklich nachhaltig?

Zwei Wege zum Release – und ihre Unterschiede

In der Körperarbeit, besonders in körpertherapeutischen oder traumasensiblen Kontexten, begegnen wir oft zwei sehr unterschiedlichen Wegen, wie ein Release angestoßen werden kann:

  1. Forcierte Übungen
    Hierbei wird durch gezielte Bewegungen, Atemtechniken oder emotionale Ausdrucksformen versucht, den Release aktiv herbeizuführen. Oft geschieht das mit der Hoffnung oder Vorstellung, dass sich dadurch etwas „ein für alle Mal“ löst. Und ja – manchmal passiert genau das: ein großer emotionaler Ausbruch, der sich befreiend anfühlt – Zittern, Weinen, Schreien, tiefe Erleichterung.

Leider birgt dies auch Risiken: Wenn das Nervensystem (noch) nicht genug Stabilität, Ressourcen oder äußeren und inneren Halt hat, kann eine solche intensive Entladung schnell zur Überforderung führen. Was sich zunächst nach einem Durchbruch anfühlt, kann später schwer integrierbar sein – oder hinterlässt das System in einem neuen Alarmzustand. Manchmal ist es auch einfach nicht nachhaltig im Alltagserleben.

  1. Unwillkürliche Entladung – im Tempo des Nervensystems
    Im Somatic Experiencing, wie ich es in meiner Praxis anwende, achten wir sehr genau auf das Tempo. Das bedeutet: so fokussiert wie möglich und so langsam wie nötig.

Wir schaffen gemeinsam einen Raum, in dem genug Sicherheit und innere wie äußere Ressource vorhanden ist. Erst dann – fast wie von selbst – beginnt der Körper, Spannungen zu lösen. Ganz leise manchmal. In Form von Zittern, feinen Bewegungen, einem Seufzer, Tränen oder einfach innerer Ruhe. Diese Entladungen sind oft unspektakulär – aber genau deshalb tief und nachhaltig.

Vom Wunsch nach schneller Heilung zur Kunst des Haltens

Viele Menschen, die mit einem hohen inneren Druck zu mir kommen, wünschen sich verständlicherweise eine schnelle Lösung: eine intensive Katharsis – „und dann ist es vorbei“. Doch genau hier liegt die große Einladung: nicht mit Druck auf das System einzuwirken, sondern ein Netz zu weben, in dem sich das Nervensystem sicher genug fühlt, um sich überhaupt zeigen zu dürfen.

Denn: Was sich nicht sicher fühlt, zeigt sich nicht. Und was sich nicht zeigt, kann auch nicht heilen.

Viele kleine Entladungen – achtsam begleitet, gehalten, integriert und gefeiert – führen oft zu mehr echter Veränderung als ein einziger großer „Befreiungsschlag“, der das Nervensystem überrollt.

Ein Wort zum Schluss

Natürlich gibt es nicht die eine richtige Methode. Die Wege zur Heilung und Integration sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Es gibt viele wunderbare Ansätze, von denen die meisten ihre Berechtigung haben.

Ich beschreibe hier lediglich den Weg, den ich selbst in meiner Praxis gehe – und der sich für viele Menschen, besonders mit Traumaerfahrung oder sensiblen Nervensystemen, als hilfreich und stimmig erwiesen hat.


Wenn du neugierig bist, wie sich ein solcher Prozess anfühlen kann – ohne Druck, aber mit feinem Spürsinn und echtem Kontakt – dann lade ich dich herzlich ein, dich weiter damit zu beschäftigen oder den ersten Schritt in eine Begleitung zu wagen. Dein Nervensystem kennt das Tempo. Und es darf genau das bekommen: Zeit, Raum und Sicherheit.


 

Jønna Platen Traumatherapie mit Somatic Experiencing® in Hamburg
Jønna Platen
Naturheilkunde und Somatic Experiencing® in Hamburg