Was ist Dissoziation?
Dissoziation ist keine Erkrankung – sie ist eine Schutzreaktion. Wenn das Nervensystem mit einem Erlebnis überfordert ist, trennt es Körper, Gedanken und Gefühle voneinander. Das erlaubt es, in einer unerträglichen Situation weiterzufunktionieren oder zu überleben.
In diesem Sinne ist Dissoziation ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche. Das Problem entsteht, wenn diese Reaktion nach dem eigentlichen Ereignis bestehen bleibt und das alltägliche Leben beeinträchtigt.
Wie äußert sich Dissoziation?
Dissoziative Zustände sind vielfältig. Einige sind sehr subtil, andere deutlich spürbar:
- Depersonalisation: Das Gefühl, neben sich zu stehen oder sich selbst von außen zu beobachten
- Derealisation: Die Umgebung wirkt unwirklich, wie hinter Glas oder im Film
- Emotionale Taubheit: Gefühle sind gedämpft oder gar nicht spürbar
- Gedächtnislücken: Bestimmte Zeiträume oder Ereignisse fehlen in der Erinnerung
- Autopilot: Man funktioniert äußerlich, ist aber innerlich nicht wirklich präsent
- Körpergefühl: Teile des Körpers fühlen sich fremd an oder werden kaum wahrgenommen
Viele Menschen mit Komplexer PTBS, PTBS oder Bindungstrauma kennen dissoziative Zustände, ohne sie als solche zu benennen.
Warum entsteht Dissoziation?
Das Nervensystem hat drei grundlegende Reaktionen auf Bedrohung: Kampf, Flucht – und wenn beides nicht möglich ist – Erstarrung. Dissoziation gehört zur Erstarrungsreaktion. Der Körper zieht sich innerlich zurück, reduziert Schmerzempfinden und schützt das Bewusstsein vor dem Unerträglichen.
Diese Reaktion ist biologisch sinnvoll. Wenn sie jedoch chronisch wird, lebt man dauerhaft in einem Zustand, der für akute Gefahr gedacht war – und das kostet enorm viel Energie.
Somatic Experiencing und Dissoziation
Somatic Experiencing® arbeitet besonders behutsam mit dissoziativen Zuständen. Die Methode geht nicht direkt in traumatische Inhalte hinein, sondern arbeitet mit dem, was der Körper gerade zeigt. Dabei steht Sicherheit und Erdung an erster Stelle.
Durch langsames Pendeln zwischen Bereichen, die sich sicher anfühlen, und dem Belastenden, lernt das Nervensystem schrittweise, präsent zu bleiben. Dissoziation wird nicht bekämpft, sondern verstanden – und mit der Zeit wird sie weniger notwendig.
Viele Menschen berichten, dass sie im Verlauf einer SE-Therapie:
- wieder mehr Körpergefühl entwickeln
- klarer und präsenter im Alltag werden
- emotionale Zustände besser wahrnehmen und einordnen können
- das Gefühl entwickeln, wirklich zu sich zu gehören
Wenn Sie Fragen haben oder sich in diesen Beschreibungen wiederfinden, laden Sie sich herzlich ein, Kontakt aufzunehmen.